Die 7 größten Chancen für ein zirkuläres Deutschland
Die Circular Economy gilt als wichtiger Hebel für Wettbewerbsfähigkeit und Resilienz der deutschen Industrie. Eine aktuelle BDI-Studie zeigt erstmals, welches wirtschaftliche Potenzial in ihr steckt – und benennt sieben zentrale Chancen.
Der globale Wettbewerb und geopolitische Spannungen machen deutlich, wie abhängig Deutschland bei vielen Schlüsselrohstoffen von Importen ist. Die von der Boston Consulting Group (BCG) im Auftrag des Bundesverbands der Deutschen Industrie (BDI) erstellte Studie „Wachstum, Wettbewerbsfähigkeit und Resilienz“ untersucht deshalb, welchen Beitrag eine konsequent umgesetzte Circular Economy leisten kann, um diese Abhängigkeit zu verringern und gleichzeitig neue Wertschöpfung zu schaffen.
Circular Economy bezeichnet ein Wirtschaftsmodell, in dem Produkte und Materialien möglichst lange und hochwertig genutzt werden. Dazu gehören kreislauffähiges Produktdesign, Wiederverwendung, Reparatur, Remanufacturing und hochwertiges Recycling. Ziel ist es, Ressourcen zu schonen, Wertstoffe im Kreislauf zu halten und neue Rohstoffbedarfe zu reduzieren.
Vorgestellt wurde die Studie im Mai 2026 auf der IFAT Munich. Betrachtet wurden die Branchen Mobilität, Maschinenbau, Bauwesen, Energie und Textil, die zusammen rund 62 Prozent der deutschen Wertschöpfung ausmachen. Vorgestellt wurde die Studie im Mai 2026 auf der IFAT Munich. Betrachtet wurden die Branchen Mobilität, Maschinenbau, Bauwesen, Energie und Textil, die zusammen rund 62 Prozent der deutschen Wertschöpfung ausmachen.
Das wären die 7 größten Chancen
1. Die Bruttowertschöpfung könnte sich mehr als verdoppeln
Der heutige Beitrag der Circular Economy zur deutschen Wertschöpfung ist noch vergleichsweise gering – im Jahr 2023 betrug er rund 60 Milliarden Euro. Laut der Studie kann sich die zirkuläre Bruttowertschöpfung bis zum Jahr 2045 jedoch auf bis zu 125 Milliarden Euro steigern. Der Großteil des Potenzials entfällt auf verstärkte Aktivitäten in den Bereichen Reuse und Remanufacturing, den Ausbau hochwertiger Recyclingkapazitäten sowie spezifische Effizienzhebel in den fünf betrachteten Industriesegmenten.
2. Die Importabhängigkeit bei Schlüsselrohstoffen sinkt
Deutschland zählt zu den drei größten Rohstoffimporteuren weltweit. Recycling und Wiederverwendung könnten bis zum Jahr 2045 zwischen 20 und 40 Prozent der strategischen Rohstoffimporte ersetzen. Bei Seltenen Erden könnte die Importabhängigkeit um bis zu 20 Prozent sinken, bei Batteriematerialien um bis zu 10 Prozent. Konkret könnte die Aufbereitung in Deutschland die Einfuhr von rund 60.000 Tonnen Lithium, Nickel, Mangan, Kobalt, Silber und Seltenen Erden überflüssig machen.
3. Wertvolle Materialien bleiben im Land
Deutschland ist innerhalb der EU die Volkswirtschaft mit dem größten Materialeinsatz – jährlich rund 1,4 Milliarden Tonnen. Bis 2045 könnten jährlich bis zu 83 Millionen Tonnen Rezyklate gewonnen und wichtige Materialströme stärker im Inland gehalten werden. Das stärkt die Versorgungssicherheit und reduziert die Abhängigkeit von internationalen Lieferketten.
4. Neue Exportchancen für Umwelttechnologien
Die Circular Economy eröffnet Wachstumsmärkte mit einem globalen Volumen von über 150 Milliarden Euro. Einen wesentlichen Anteil daran haben Sortier- und Recyclingtechnologien. Hier kann der deutsche Maschinenbau seine technologische Führungsrolle ausspielen und zusätzliche Exportpotenziale erschließen.
5. Die Treibhausgasemissionen sinken
Zirkuläre Strategien können materialbedingte Emissionen deutlich reduzieren. Die BDI-Studie kommt zu dem Ergebnis, dass in Produktions- und End-of-Life-Phasen jährlich rund elf Millionen Tonnen Kohlendioxid-Äquivalente eingespart werden können.
6. Die Energiewende wird kosteneffizienter
Mit dem Ausbau der erneuerbaren Energien wächst auch der Bedarf an Recycling- und Wiederaufbereitungslösungen. Durch das Recycling von Windkraftanlagen und Solarmodulen sowie durch Batterie-Remanufacturing könnten bis 2045 bundesweit rund 38 Milliarden Euro eingespart werden.
7. Unternehmen erzielen höhere Margen
Remanufacturing- und Refurbishment-Modelle eröffnen neue Geschäftsmodelle. Produkte werden länger genutzt, mehrfach verkauft oder professionell wiederaufbereitet. Dadurch entstehen zusätzliche Erlösquellen, gleichzeitig lassen sich neue Kundengruppen erschließen.
Was jetzt notwendig ist, um dieses Potenzial zu erschließen
Rund 20 Milliarden Euro investieren
Um die beschriebenen Potenziale zu erschließen, sind laut Studie bis 2045 Einmalinvestitionen von rund 20 Milliarden Euro erforderlich. Das Geld soll unter anderem in Recyclinginfrastruktur, Refurbishment- und Remanufacturing-Kapazitäten, IT-Systeme sowie Forschung und Entwicklung fließen.
Viele der dafür benötigten Technologien sind bereits verfügbar und werden heute schon industriell eingesetzt. Entscheidend ist nun, ihren breiten Einsatz durch die richtigen politischen und wirtschaftlichen Rahmenbedingungen zu beschleunigen. Durch die zusätzliche Wertschöpfung könnten sich die Investitionen gesamtwirtschaftlich bereits nach wenigen Jahren amortisieren.
Circular-Economy-Lösungen auf der IFAT Munich entdecken
Von intelligenten Sortier- und Recyclingtechnologien über Remanufacturing bis hin zu digitalen Lösungen: Auf der IFAT Munich zeigen Unternehmen aus aller Welt, wie Circular Economy schon heute in der Praxis umgesetzt wird
Die Verfügbarkeit erhöhen
Um mehr Materialien im Kreislauf zu halten, müssen verwertbare Stoffströme besser erfasst und hochwertig genutzt werden. Dazu gehören kreislauffähige Produktdesigns, standardisierte Materialien, mehr Datentransparenz sowie leistungsfähigere Sortiersysteme.
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Die Verwertung verbessern
Industrie und Politik müssen den Ausbau moderner Recycling- und Wiederaufbereitungsverfahren beschleunigen. Neben technologischen Innovationen nennt die Studie dafür unter anderem schnellere Genehmigungen, Investitionshilfen sowie wettbewerbsfähige Energiepreise als wichtige Voraussetzungen.
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Die Nachfrage stärken
Unternehmen sollten zirkuläre Produkte stärker in ihren Portfolios verankern. Gleichzeitig kann die öffentliche Beschaffung gezielt Anreize schaffen, um die Nachfrage nach Rezyklaten und wiederaufbereiteten Produkten zu erhöhen.
Digitalisierung vorantreiben
Digitale Lösungen unterstützen nahezu alle Schritte der Circular Economy – vom Produktdesign über die Sortierung bis zur Wiederverwertung. Besonders kleine und mittlere Unternehmen benötigen jedoch bessere Voraussetzungen, um die dafür erforderlichen Daten effizient erfassen und nutzen zu können.
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Kreislaufwirtschaft stärkt den Industriestandort gleich doppelt: Sie reduziert kritische Abhängigkeiten und schafft zusätzliche Wertschöpfung in Deutschland.
Fazit: Kreislaufwirtschaft als Wettbewerbsfaktor
Circular Economy entwickelt sich zunehmend zu einem Wettbewerbsfaktor für den Industriestandort Deutschland. Die Studie macht deutlich, dass viele der erforderlichen Technologien bereits verfügbar sind. Entscheidend wird nun sein, ob Politik und Wirtschaft die notwendigen Rahmenbedingungen schaffen, damit dieses Potenzial tatsächlich genutzt werden kann.
Holger Lösch, stellvertretender Hauptgeschäftsführer des BDI, bringt die Kernbotschaft auf den Punkt: „Kreislaufwirtschaft stärkt den Industriestandort gleich doppelt: Sie reduziert kritische Abhängigkeiten und schafft zusätzliche Wertschöpfung in Deutschland.“ Dafür müssten Investitionen in zirkuläre Infrastruktur beschleunigt, Genehmigungsverfahren verkürzt und Märkte für Sekundärrohstoffe konsequent weiterentwickelt werden.
Möchten Sie die vollständige Studie lesen?
Auf der Website des BDI finden Sie die Studie „Wachstum, Wettbewerbsfähigkeit und Resilienz. Chancen der Circular Economy für die deutsche Industrie“. Sie können sie herunterladen, teilen und online lesen.