Studis auf der IFAT Munich: Mein persönlicher KI-Liebling
Welche KI-Anwendungen überzeugen den Nachwuchs der Umwelttechnologie? Studierende der TH Köln gingen auf der IFAT Munich auf Entdeckungstour und stellen ihre spannendsten Praxisbeispiele aus Wasser-, Recycling- und Kreislaufwirtschaft vor.
Viele Universitäten und Hochschulen organisieren Exkursionen zur IFAT Munich, um den Studierenden Einblicke in aktuelle Technologien rund um Wasser, Recycling und Kreis-laufwirtschaft zu ermöglichen. Bei der diesjährigen Messe vom 4. bis 7. Mai war zum Beispiel die Technische Hochschule (TH) Köln mit einer über 60-köpfigen Gruppe vor Ort.
Der Arbeitsauftrag durch ihre Dozenten: Finde heraus, wie Unternehmen der Umwelttechnologie-Branche künstliche Intelligenz (KI) einsetzen. Hier verraten zwei Studentinnen ihre Favoriten aus den Recherchen an den Messeständen.
KI unterstützt Abfall- und Recyclingmanagement
Cassie Tragert zeigt sich besonders inspiriert vom Hamburger Startup Resourcify. „Dieses bietet Unternehmen eine digitale Plattform für ein datengetriebenes, automatisiertes Abfall- und Recyclingmanagement an“, erläutert die aus den USA stammende Studentin. KI unterstützt hier zum Beispiel beim Klassifizieren von Daten, beim Erkennen von Mustern, beim Erstellen von Prognosen und beim Identifizieren passender Recyclingpartnern.
„Vereinfacht gesagt, bietet die Plattform den Nutzern einen Überblick über ihre Abfallströme und zeigt Möglichkeiten auf, weniger Müll zu erzeugen sowie mehr davon wiederzuverwerten“, erklärt Tragert. Zu den Kunden von Resourcify gehören unter anderem die Fast-Food-Kette McDonald’s, die Bau- und Gartenmarktbetreiber Obi und Hornbach sowie der Lebensmitteleinzelhändler Rewe.
KI interpretiert Bilder aus dem Kanal
Gleich zwei Favoriten nennt Boutaina Abbazi. Dazu gehört das Artificial Intelligence Software Tool (ArtIST) des Anbieters IBAK. Die Kieler Firma entwickelt und produziert Lösungen zur Kanalinspektion und -sanierung für den weltweiten Einsatz. Mit einer eigenen Entwicklungsabteilung arbeitet das Unternehmen an mehreren KI-Projekten. Eines davon ist der cloudbasierte Auswertungsassistent ArtIST. Er erfasst automatisiert Zustandsdaten aus Kanalinspektionsaufnahmen und stellt sie als Datengrundlage für Inspektionsberichte bereit.
„Ich bin beeindruckt, wie einfach das Tool vom Endnutzer zu bedienen ist“, unterstreicht die marokkanische Studentin.
KI ermöglicht Durchflussmessung per Kamera
Als weitere, in ihren Augen besonders smarte Lösung gefällt Abbagi der DischargeKeeper von SEBA Hydrometrie aus Kaufbeuren. Hierbei handelt es sich um ein stationäres, kamerabasiertes System mit selbstlernendem Algorithmus zur berührungslosen Durchflussmessung in Flüssen, Bächen und Kanälen.
Mit Hilfe eines optischen Verfahrens zur Fließgeschwindigkeitserfassung, basierend auf der natürlichen Struktur der Wasseroberfläche, wird das Oberflächengeschwindigkeitsprofil gemessen. Die Wasserstandserfassung erfolgt ebenfalls über Bildverarbeitung. Das vertikale Geschwindigkeitsprofil wird nach der ISO Norm 748 berechnet. Eine Integration der Geschwindigkeit über die Breite führt zum Durchfluss. Neben den digitalisierten Messwerten werden auch aktuelle Beweisbilder auf dem FTP-Server des Anwenders gespeichert und können auch auf den SEBA-Server hochgeladen werden.
„Mir gefällt, dass das System vergleichsweise einfach genaue Abfluss- und Pegelstandsmessungen ermöglicht – und zwar ohne den Einsatz von Sensoren“, kommentiert Boutaina Abbazi.
Die IFAT Munich bietet unseren Studierenden die einmalige Gelegenheit, all diese Lösungen und die dahinterstehenden Firmen an einem Ort kennenlernen zu können.
„Schon diese wenigen Beispiele zeigen sehr gut, wie vielfältig die KI-Anwendungen in der Umwelttechnologiebranche sind – vom Messen und Monitoring über die Modellierung bis hin zu sowohl operativen als auch strategischen Lösungen”, sagt Lars Ribbe. Als Professor für integriertes Land- und Wasserressourcenmanagement und ehemaliger Gründungsdekan der Fakultät für Raumentwicklung und Infrastruktursysteme an der TH Köln war er einer der Begleiter der Studierenden.
„Die IFAT Munich bietet unseren Studierenden die einmalige Gelegenheit, all diese Lösungen und die dahinterstehenden Firmen an einem Ort kennenlernen zu können“, fährt der Experte für Wasserwissenschaft und -wirtschaft fort. „Auch wir Dozenten lernen immer noch weiter dazu, gerade in dem für uns derzeit so interessanten Feld der KI. Die IFAT Munich gibt uns die Chance, innerhalb einer Woche sehr kompakt Kontakte zu einer Vielzahl von Unternehmen zu knüpfen, die an der Spitze der Entwicklung stehen.“