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Wasserbewusste Stadtentwicklung:
6 Antworten auf die wichtigsten Fragen

Klimawandel, Urbanisierung und Extremwetter fordern neue Lösungen für unsere städtische Lebenswelt. Auch auf der kommenden IFAT Munich spielt das Schwammstadt-Konzept eine wichtige Rolle. Lesen Sie hier schon heute Antworten auf die wichtigsten Fragen.

Was versteht man unter einer wasserbewussten Stadt?

„Eine wasserbewusste Stadt wird so geplant, strukturiert und betrieben, dass sie Wasser als Ressource und Gestaltungselement zugleich versteht“, erläutert Dr. Lisa Irwin-Broß. Nach den Angaben der Vorständin der Deutschen Vereinigung für Wasserwirtschaft, Abwasser und Abfall e. V. (DWA) verbindet eine solche Kommune Überflutungsvorsorge, Wasserversorgung, Klimaanpassung, Lebensqualität und Ressourceneffizienz in einem integrierten System.

Der üppig bepflanzte Dachgarten des Bürogebäudes AERA in Berlin.
© Helmuth Ziegler
Das Bürogebäude AERA in Berlin-Charlottenburg hat einen öffentlich zugänglichen Dachgarten mit fünf verschiedenen Baum- und 25 Pflanzenarten. Es kann durch ein integriertes Retentionssystem Wasser speichern, das in Trockenperioden den Pflanzen zur Verfügung steht und bei Starkregen das städtische Überflutungsrisiko reduziert.

Warum brauchen wir wasserbewusste Städte?

Der Weltklimarat geht davon aus, dass durch den Klimawandel Extremwetterereignisse mit Überflutungen, Dürren, Hitzeperioden und Stürmen in den kommenden Jahren häufiger vorkommen und schwerer ausfallen werden. Besonders verletzlich zeigen sich dabei Städte und Gemeinden durch ihre hohe Konzentration von Menschen, Wertschöpfung und Infrastrukturen. Um die Risiken zu minimieren, sind die Kommunen weltweit aufgefordert, sich gegen die Folgen der Klimakrise zu wappnen.

Wie funktionieren wasserbewusste Städte und wieso werden sie auch als Schwammstädte bezeichnet?

Durch Grünzonen, Feuchtgebiete, Wasser- und Überflutungsflächen sowie ober- und unterirdische Speicherräume nehmen wasserbewusste Städte möglichst viel Regenwasser auf, statt es in Kanäle und Vorfluter abzuleiten. Sie ähneln damit einem sich vollsaugenden Schwamm.

Ein Spielplatz kann zum Beispiel so angelegt werden, dass ihm bei Starkregen das Regenwasser gezielt zugeleitet wird und dort versickert.
Dr. Friedrich Hetzel / DWA

„Um die Möglichkeiten zur Versickerung zu erhöhen, müssen versiegelte Gebiete entsiegelt und bei Baumaßnahmen entsprechende Freiflächen eingeplant werden. Da Freiflächen in Städten rar sind, sollten sie möglichst multifunktional genutzt werden. Ein Spielplatz kann zum Beispiel so angelegt werden, dass ihm bei Starkregen das Regenwasser gezielt zugeleitet wird und dort versickert“, beschreibt Dr. Friedrich Hetzel, Leiter der DWA-Stabsstelle Wasserbewusste Raum- und Siedlungsentwicklung.

Durch solche Maßnahmen gelingt es, die Folgen von Unwettern abzudämpfen und Regenwasser für nachfolgende Trockenzeiten zu speichern. Mit dem kostbaren Nass lassen sich dann Bäume und Grünflächen am Leben erhalten, die zusammen mit begrünten Dächern und Fassaden zur Kühlung und Luftverbesserung der Stadt beitragen.

„Wasserbewusste Städte“ im Veranstaltungsprogramm der IFAT Munich 2026

  • Spotlight Area „Die wasserbewusste Stadt der Zukunft“ im Eingangsbereich West: Die DWA und der Deutsche Verein des Gas- und Wasserfaches e. V. (DVGW) zeigen, was heute schon in Sachen klimaresiliente Stadtentwicklung und zukunftsfähige Trinkwasserversorgung möglich ist.
  • Innovations-Forum „Städte jetzt wasserbewusst (um)bauen“ auf der Blue Stage in Halle B2, ebenfalls veranstaltet von DWA und DVGW.
  • Podiumsdiskussion und Fachsession am 7. Mai auf der Blue Stage, beides unter der Regie der DWA.

Warum werden Schwammstadtkonzepte noch nicht flächendeckend umgesetzt?

Die folgenden Faktoren behindern den Fortschritt:

  • Zersplitterte behördliche Zuständigkeiten: Wasserwirtschaft, Stadtplanung, Grünflächenämter, Verkehr, Tiefbau und Bauaufsicht arbeiten oft nebeneinander statt integriert. Häufig fehlt eine übergeordnete Gesamtkoordination.
  • Ungenügender Rechtsrahmen: Rechtlich orientieren sich viele Vorschriften der Bauordnung noch an klassischer Entwässerung. In zahlreichen Kommunen gibt es keine Pflicht zur Regenwasserrückhaltung oder Versickerung auf Privatgrund. In diesem Zusammenhang fordert die DWA, dass die wasserbewusste Stadtentwicklung als Standard der Bauleitplanung im Baugesetzbuch verankert werden muss.
  • Höhere Kosten: Langfristig rentieren sich Investitionen in die so genannte blau-grüne Infrastruktur, kurzfristig entstehen aber höhere Kosten als bei der konventionellen Entwässerung. Außerdem mangelt es bislang an flächendeckenden, verlässlichen und langfristig ausgelegten Förderprogrammen für Kommunen und private Eigentümer.
  • Platzmangel und Nutzungskonkurrenzen: Für Versickerungsflächen, Retentionsräume oder begrünte Straßenräume braucht man Platz, der ansonsten für Parken, Verkehr oder Bebauung beansprucht wird.

Welche umwelttechnischen Produkte und Lösungen werden zur Realisierung einer wasserbewussten Stadt benötigt?

Zu denken ist hierbei beispielsweise an Regenwasserspeicher aus unterschiedlichen Materialien, Rigolen, Versickerungsboxen, Pumpen, Filter, wasserdurchlässige Bodenbefestigungssysteme, Pegel- und Durchflusssensoren, Programme zur Dimensionierung von Versickerungsanlagen, Lösungen zum Grauwasser-Recycling, Kleinkläranlagen, IoT-Wasserqualitätsmonitore, mobile Hochwasserschutzwände sowie Systeme zur Nebel- und Verdunstungskühlung.

Was sind aktuelle Beispielprojekte aus wasserbewussten Städten?

Klicken Sie sich durch die Bildergalerie mit den Beispielprojekten.

Baustelle auf dem Berliner Gendarmenmarkt mit einem Kran, der Wasserleitungen verlegt
© Mall GmbH
Der Gendarmenmarkt in Berlin ist seit seiner in 2025 abgeschlossenen Sanierung vollständig von der Kanalisation abgekoppelt. Das anfallende Regenwasser wird mit Substratfiltern der Mall GmbH gereinigt und versickert anschließend über Rigolen der ACO GmbH im Untergrund.
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Frontalansicht des begrünten Hochbunkers auf dem Hamburger Heiliggeistfeld.
© Helmuth Ziegler
Der Hamburger Hochbunker in St. Pauli trägt in rund 60 Metern Höhe einen öffentlichen Dachgarten mit mehr als 22.000 Pflanzen. Hinauf führt ein 560 m langer begrünter Bergpfad. Möglich wird beides unter anderem durch ein ausgeklügeltes Entwässerungssystem, bei dem Komponenten von ACO zum Einsatz kamen.
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Eine Baustelle mit Kanalelementen im Mannheimer Stadtteil Franklin.
© Otto Graf GmbH
Im Rahmen der Konversion ehemaliger US-amerikanischer Wohn- und Kasernenflächen entsteht unter der Bezeichnung „Franklin“ in Mannheim ein neuer Stadtteil für etwa 10.000 Menschen, bei dem Schwammstadt-Aspekte eine besondere Rolle spielen. Die Otto Graf GmbH lieferte hierfür die Sedimentations-, Filtrations- und Versickerungsanlagen.
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Baustelle auf dem Berliner Gendarmenmarkt mit einem Kran, der Wasserleitungen verlegt
Frontalansicht des begrünten Hochbunkers auf dem Hamburger Heiliggeistfeld.
Eine Baustelle mit Kanalelementen im Mannheimer Stadtteil Franklin.

Lösungen für Schwammstädte auf der IFAT Munich 2026

Resilienz & Anpassung der Wasserwirtschaft an den Klimawandel: Finden Sie hier passende Aussteller auf der IFAT Munich 2026.

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